Der folgende Artikel erschien in der MainPost Ausgabe Main-Spessart am 22.08.2008 (frei lesbar)

„Die Mama“ der indischen Straßenkinder
Gössenheimerin Veronika Winter richtet dauerhaftes Spendenkonto ein

Sie ist „die Mama“ – nicht nur für ihre vier eigenen erwachsenen Kinder, sondern auch für rund 30 indische Straßenkinder und eine Hand voll indischer Pfarrer. Im vergangenen Jahr startete Veronika Winter aus Gössenheim ein Spendenprojekt. Mit dem Geld half sie den Einwohnern eines vom Monsun überschwemmten Dorfes in der indischen Provinz Kerala und einem Konvent für Straßenkinder (wir berichteten). Jetzt hat Winter ein dauerhaftes Spendenkonto eingerichtet, mit dem sie „ihre Kinder“ langfristig unterstützen möchte.

„Mama, weißt du überhaupt wie nützlich diese Sachen für uns sind? Wir beten dafür, dass auch andere Kinder so etwas bekommen.“ Regelmäßig bekommt Veronika Winter Post aus Indien. Ein guter Bekannter übersetzt die Briefe für die 66-Jährige. Der Inhalt rührt zu Tränen – nicht aus Mitleid, sondern wegen der Freude und Dankbarkeit, die die Kinder selbst für „Kleinigkeiten“ empfinden. „Wir haben das Schönste bekommen, was wir uns wünschen. Wir fühlen uns nicht mehr als Waisen“, schreiben die Kinder.

Erst im vergangenen Jahr haben sie „ihre Mama“ kennengelernt.
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Winter wollte eigentlich nur Pfarrer Tom besuchen, der zwischen 2004 und 2007 in der Gössenheimer Pfarrei Vertretungsdienst leistete. Kurz vor ihrem Abflug im Oktober suchte ein heftiger Monsun Indien heim, bei dem Millionen Menschen ihr Obdach verloren. Mit einer privaten Spendenaktion sammelte Winter mehr als 3500 Euro, die sie zur Unterstützung der Einheimischen mitbrachte.

Essen in Tüten gesammelt

Ein Teil ging an den Konvent für Straßenkinder in der Stadt Changanacherry, der von zwei Schwestern geleitet wird. Die Einrichtung wird weder vom Staat noch von der Kirche finanziell unterstützt. Die Straßenkinder, die dort ein neues Zuhause finden, können nur mit Essensspenden überleben:
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Täglich sammeln die Schwestern in Plastiktüten Nahrungsmittel. Nicht immer werden die Kinder davon satt. Schon Ende Dezember 2007 unternahm Winter ihre zweite Reise nach Indien. In der Zwischenzeit hatte sie erneut 2500 Euro gesammelt. Alleine 500 Euro spendeten die Kinder der Gössenheimer Grundschule – hatten die Kinder 50 Euro in ihren Klassen gesammelt, so stockten die Lehrer die Spende durch weitere 50 Euro auf. Winter selbst stellte ihr Projekt bei Seniorennachmittagen vor oder erzählte in der Schule von ihren Reisen. Viele Spenden kamen durch ihren großen Freundes- und Bekanntenkreis zusammen. Besonders berührt hat sie ein älterer Mann, der noch an Heiligabend mit dem Fahrrad von Seifriedsburg zu ihr nach Gössenheim radelte, um ihr 100 Euro zu überreichen.

Am 26. Dezember flog Winter dann nach Indien: Eine große Überraschung, nicht nur für die Kinder, sondern auch für Pfarrer Tom, der sein zehnjähriges Priesterjubiläum feierte. Er arbeitet mittlerweile als Sekretär des Bischofs von Kottayam, einer Region in Kerala. Um ihn zu überraschen, hatte die 66-Jährige ihr Kommen geheim gehalten.
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Der Coup glückte: Überglücklich präsentierten die Kinder „ihrer Mama“ ihre neuen Schulkleider. Bei ihrem vorigen Besuch hatte Winter den Stoff gekauft. Auch dieses Mal kam sie nicht mir leeren Händen: Medikamente von der Gössenheimer Apotheke, von den Ärzten Dr. Michael Jagusch und Dr. Michael Beetz, Brillen vom Geschäft Jandel und Blutdruck- und Zuckermessgeräte vom Orthopädiegeschäft Strätz in Karlstadt hatte sie im Gepäck. 1000 Euro überreichte sie den Schwestern des Konvents, die dafür Essen, Kleidung und Schulbücher für ihre Schützlinge kaufen. Mit jeweils 500 Euro unterstützte sie drei Familien, die beim Monsun ihr Heim verloren und noch immer unter katastrophalen Bedingungen lebten (siehe Foto). Pfarrer Tom wählt die Familien aus, denen mit den Spendengeldern geholfen wird.

Aus ihrer eigenen Tasche finanzierte Winter die Mitbringsel für die Kinder: Kuscheltiere und Spielzeug. Ebenso wie ihre eigenen Reisen. „Jeder Cent der Spenden kommt in Indien an“, sagt Winter. Für ihre Reisen nutzte sie ihr eigenes Erspartes. Auch wenn sie „hier und da“ den Schwestern oder anderen Bedürftigen Geld zusteckte, kam das aus ihrer Tasche. „Dieses Jahr werde ich nicht fahren können. Ich kann schließlich nicht mir leeren Händen kommen und so wird jede Reise sehr teuer“, erklärt sie.

Spendenkonto eingerichtet

Dafür hat Winter jetzt ein dauerhaftes Spendenkonto eingerichtet. Sie hat ein kleines Buch binden lassen, das sie bei verschiedenen Ärzten in Gössenheim, Karlstadt und Gemünden auslegen will. Sparkasse und Raiffeisenbank haben ihr ein kostenloses Konto eingerichtet. Weder Kontoführungsgebühren noch Überweisungsgebühren werden von den Spendengeldern abgezogen. Erst jüngst konnte sie wieder 1000 Euro nach Indien überweisen. In Absprache mit Winter verwaltet Pfarrer Tom das Geld und leitet es an bedürftige Familien oder an den Konvent weiter.

Spendenkonten: Sparkasse Mainfranken, Kontonummer: 450 983 81; Bankleitzahl: 790 500 00. Raiffeisenbank Karlstadt-Gemünden, Kontonummer: 083 111 5; Bankleitzahl: 790 691 50.

Von unserem Redaktionsmitglied Bianca Löbbert