„Die Mama“ der indischen Straßenkinder
Gössenheimerin Veronika Winter richtet dauerhaftes Spendenkonto ein
Sie ist „die Mama“ – nicht nur für ihre vier eigenen erwachsenen Kinder, sondern auch für rund 30 indische Straßenkinder und eine Hand voll indischer Pfarrer. Im vergangenen Jahr startete Veronika Winter aus Gössenheim ein Spendenprojekt. Mit dem Geld half sie den Einwohnern eines vom Monsun überschwemmten Dorfes in der indischen Provinz Kerala und einem Konvent für Straßenkinder (wir berichteten). Jetzt hat Winter ein dauerhaftes Spendenkonto eingerichtet, mit dem sie „ihre Kinder“ langfristig unterstützen möchte.
„Mama, weißt du überhaupt wie nützlich diese Sachen für uns sind? Wir beten dafür, dass auch andere Kinder so etwas bekommen.“ Regelmäßig bekommt Veronika Winter Post aus Indien. Ein guter Bekannter übersetzt die Briefe für die 66-Jährige. Der Inhalt rührt zu Tränen – nicht aus Mitleid, sondern wegen der Freude und Dankbarkeit, die die Kinder selbst für „Kleinigkeiten“ empfinden. „Wir haben das Schönste bekommen, was wir uns wünschen. Wir fühlen uns nicht mehr als Waisen“, schreiben die Kinder.
Erst im vergangenen Jahr haben sie „ihre Mama“ kennengelernt.
Essen in Tüten gesammelt
Ein Teil ging an den Konvent für Straßenkinder in der Stadt Changanacherry, der von zwei Schwestern geleitet wird. Die Einrichtung wird weder vom Staat noch von der Kirche finanziell unterstützt. Die Straßenkinder, die dort ein neues Zuhause finden, können nur mit Essensspenden überleben:
Am 26. Dezember flog Winter dann nach Indien: Eine große Überraschung, nicht nur für die Kinder, sondern auch für Pfarrer Tom, der sein zehnjähriges Priesterjubiläum feierte. Er arbeitet mittlerweile als Sekretär des Bischofs von Kottayam, einer Region in Kerala. Um ihn zu überraschen, hatte die 66-Jährige ihr Kommen geheim gehalten.
Aus ihrer eigenen Tasche finanzierte Winter die Mitbringsel für die Kinder: Kuscheltiere und Spielzeug. Ebenso wie ihre eigenen Reisen. „Jeder Cent der Spenden kommt in Indien an“, sagt Winter. Für ihre Reisen nutzte sie ihr eigenes Erspartes. Auch wenn sie „hier und da“ den Schwestern oder anderen Bedürftigen Geld zusteckte, kam das aus ihrer Tasche. „Dieses Jahr werde ich nicht fahren können. Ich kann schließlich nicht mir leeren Händen kommen und so wird jede Reise sehr teuer“, erklärt sie.
Spendenkonto eingerichtet
Dafür hat Winter jetzt ein dauerhaftes Spendenkonto eingerichtet. Sie hat ein kleines Buch binden lassen, das sie bei verschiedenen Ärzten in Gössenheim, Karlstadt und Gemünden auslegen will. Sparkasse und Raiffeisenbank haben ihr ein kostenloses Konto eingerichtet. Weder Kontoführungsgebühren noch Überweisungsgebühren werden von den Spendengeldern abgezogen. Erst jüngst konnte sie wieder 1000 Euro nach Indien überweisen. In Absprache mit Winter verwaltet Pfarrer Tom das Geld und leitet es an bedürftige Familien oder an den Konvent weiter.
Spendenkonten: Sparkasse Mainfranken, Kontonummer: 450 983 81; Bankleitzahl: 790 500 00. Raiffeisenbank Karlstadt-Gemünden, Kontonummer: 083 111 5; Bankleitzahl: 790 691 50.
Von unserem Redaktionsmitglied Bianca Löbbert