Hilft
da nicht der Staat?
Sich um die Straßenkinder zu kümmern bleibt kirchlichen
oder privaten Initiativen überlassen. Dazu gehen z. B. die
Nonnen die die Häuser betreuen jeden Tag zu den Geschäften,
hängen Plastiktüten an die Türen, und holen abends die
gespendeten Gaben ab mit denen dann am nächsten Tag Essen
für die Kinder gekocht wird.
Wie
man sich vorstellen kann variieren Menge und Inhalt der
Tüten sehr - manchmal ist auch gar nichts in den Tüten,
satt werden die Kinder in den seltensten Fällen, und von
ausgewogener oder auch nur reichhaltiger Ernährung kann
keine Rede sein. Beim Besuch eines dieser Häuser ging Frau
Winter daher kurzentschlossen in einer Großküche einkaufen
um den 25 Kindern ein Essen mit Hühnerfleisch und Obst zu
spendieren - was umgerechnet gerade mal €25 kostete, und es
blieb noch genug für den nächsten Tag.
Wie
sieht es mit Sachspenden aus?
Das Schicken von Waren ist meist recht teuer und lohnt sich
daher nur für Gegenstände die entweder in Indien nicht oder
nur teuer hergestellt werden können (z.B. Brillen). Dabei
können die Transport- und Umweltkosten den Wert der Waren
oftmals deutlich übersteigen. Eine Ausnahme sind große
Katastrophen bei denen es darauf
ankommt
den
Bedürftigen schnell Hilfe zukommen zu lassen (z.B. Zelte
und Decken). In der Regel aber helfen Geldspenden nicht nur
besser, sondern auch gleich zweimal - zum Einen ermöglichen
Geldspenden Nahrung, Kleidung, und Unterkunft für die
Straßenkinder, zum Anderen wird durch den lokalen Kauf auch
denen geholfen die sich zwar selbst gerade so über Wasser
halten (z.B. Kleinbauern, Schneider, usw) aber nicht viel
für Andere tun können. So hat z.B. Frau Winter bei einem
weiteren Besuch erfahren daß die Kinder keine Schulkleidung
hatten - also ging sie Bahnen Stoff kaufen aus denen die
Nonnen dann die Hemden anfertigten. Damit war nicht nur den
Kindern geholfen.
Wieviel
von meiner Spende kommt bei den Bedürftigen an?
Das hängt sehr davon ab wo man spendet. Große
Organisationen haben festangestellte Mitarbeiter, zahlen
für Werbung in Zeitschriften oder auf Plakaten, Miete,
Heizung, Telephon, Reisen usw - all dies wird oft als
"Verwaltungskosten" bezeichnet und kann 20-80% des
gespendeten Geldes verschlingen. Effizienter sind kleinere
Organisationen und Privatinitiativen die nur auf
ehrenamtlicher Mithilfe aufbauen, und das in beiden
Ländern. Allerdings ist bei Privatleuten auch Vorsicht
geboten - zuviele Betrüger nutzen die Hilfsbereitschaft
ihrer Mitmenschen aus.
Das Besondere am Projekt "Straßenkinder Indien" ist daß
sowohl Frau Winter als auch Pfarrer Tom in und um
Gössenheim bekannte und
geachtete
Menschen sind - dabei hat Pfarrer Tom nicht nur in und um
die Gemeinde Gössenheim gearbeitet sondern dort aufgrund
seines freundlichen und aufrichtig bescheidenen Wesens auch
viele Freunde gewonnen, auch unter denen die mit der Kirche
nicht unbedingt viel anfangen können. Daß sich beide mit
ihrem guten Namen dafür verbürgen daß bei dem von Frau
Winter initiierten und von Pfarrer Tom unterstützten
Projekt 100% des Geldes bei den Kindern ankommen war
oftmals ausschlaggebend für die freundliche Unterstützung
durch Privatleute, Schulen, Banken, und lokale Geschäfte.
Ist
alle Hilfe gut?
Nein. Oft kommt es auf die Art der Hilfe an. Das wurde
besonders während der Hungersnöte der 80er und 90er Jahre
in Afrika deutlich.
Viele
Nationen spendeten ihren Getreideüberschuß um die
Hungersnot zu lindern,
allerdings oft mit der Auflage daß das Getreide kostenlos
abgegeben werden mußte. Was auf den ersten Blick als
sinnvoll erscheint hatte zwei fatale Folgen - auf der einen
Seite hat es den Getreidepreis auf dem Weltmarkt künstlich
hoch gehalten (auf dem ja gerade Länder die sich nicht
selbst versorgen können einkaufen müssen), auf der anderen
Seite hat es Bauern die noch etwas ernten konnten in den
Ruin getrieben da sie ihr Getreide nicht verkaufen konnten.
Dies hat die Menschen nur noch abhängiger von Hilfe
gemacht, und die Situation in den folgenden Jahren
verschärft.